BZ Interview with KCRW Berlin co-founder John Kornblum

Er hat schon viel gemacht in seinem Leben. “Aber das hier ist mit das Aufregendste”, beschreibt John Kornblum (74) sein neues Projekt: “einen Radiosender zu gründen quasi aus dem Nichts.” 

Seit einer Woche ist KCRW Berlin (UKW-Frequenz 104,1, kcrwberlin.com) bereits auf Sendung. Das Studio in Steglitz ging am Freitag in Betrieb – mit Informationen aus Berlin und den USA und auch Musik.

Der finanziell bedingte Rückzug von NPR (National Public Radio) aus der Hauptstadt hat den früheren US-Botschafter und eine Handvoll Mitstreiter zum Sprung ins kalte Wasser bewegt. “Berlin braucht einen amerikanischen Sender”, erklärt er, “gerade jetzt, wo wir mit einem tiefen Krise der Atlantischen Beziehungen konfrontiert sind.” Als Zielgruppe hat er die englischsprachige Gemeinde in Berlin im Auge, vor allem die große Gruppe junger Leute aus dem Ausland, die kein Deutsch sprechen und deren zweite (oder auch erste) Sprache Englisch ist – jene Hipster also, an deren Englischsprachigkeit CDU-Politiker Jens Spahn unlängst Anstoß nahm.

Kornblum begrüßt den Zuzug: “Dass so viele junge Ausländer Berlin zu Ihrer Heimat machen wollen, ist eine der größten Stärken der Stadt”, ist er überzeugt. “Englisch ist eine Lingua Franca für viele in Berlin, auch für junge Berliner.”

Musik soll eine ganz wichtige Rolle spielen. KCRW, der kalifornische Kult-Sender und Partner für das Berliner Projekt, ist berühmt für seinen modernen Mix von Pop und Independent bis hin zu Electro und World. Das Nachtprogramm wird zeitversetzt nach Berlin übertragen. “Und ich sagen Ihnen”, so Kornblum: “Etwas Vergleichbares gibt es noch nicht in Berlin!” Der Eindruck, dass er am liebsten selbst moderieren würde, ist nicht ganz falsch. “Ich komme aus Detroit”, stellt er klar. Dort hatte Techno in den 80ern seinen Anfang genommen.

Ab 5 Uhr morgens gibt es Nachrichten aus Washington. Die Berliner Programm-Fenster werden nach und nach auf- und ausgebaut. Das Spektrum reicht vom Service-Informationen über lokale und Kulturnachrichten bis hin zu Porträt- und Interview-Sendungen.

Das Projekt ist gemeinnützig. Die Finanzierung erfolgt über Spenden, auf die “das spannendste Berliner Start-Up dieses Jahres” (Kornblum) dringend angewiesen ist: “Ohne eine starke finanzielle Unterstützung aus Berlin wird es nicht gehen.”

von Ulrike Ruppel, Redakteurin / Parlamentskorrespondentin, B.Z.-Politikredaktion